Unsere Meere und Ozeane

Vortrag von Prof. Dr. Antje Boetius vom Alfred Wegner Institut am 16.4.2019
 
Frau Prof. Boetius ist Tiefseeforscherin und hat eine Professur in der Uni Bremen,
weiterhin ist sie Leiterin des AWI in Bremerhaven.
Im AWI Bremerhaven sind 950 Mitarbeiter angestellt, weitere 350 auf Sylt, Helgoland,
in Potsdam und Oldenburg. Die Hauptaufgabe ist die weltweite Erforschung der Meere.
Mit dem Eisbrecher Polarstern war sie zusammen mit 55 Wissenschaftler und Forschern
im Jahr 1982 in arktischen und antarktischen Ozeanen.
 
Zwei Drittel der Erde ist mit Wasser bedeckt. Das Gefährlichste des Eisrückganges ist nicht die Erhöhung des Meeresspiegels, sondern dass  die Sonne durch die Zerstörung der Atmosphäre nicht mehr so stark reflektiert wird wie bisher, daher erfolgt auch eine Erwärmung hauptsächlich der Nordmeere, und der Golfstrom nimmt ab. Die Antarktis wird besser gekühlt, da eine starke
Strömung um den Kontinent herrscht.
 
Seit den 80er Jahren wird mit Tiefseerobotern geforscht, diese können bis zu einer Tiefe
von 11 km vordringen, die Durchschnittstiefe für Tauchboote liegt allerdings bei 3 – 4 km,
wobei man berücksichtigen muss, dass ab einer Tiefe von 200 m kein Lichteinfall mehr zu
verzeichnen ist, es herrscht völlige Dunkelheit, d.h. kein Sonnenlicht, dementsprechend kein
Pflanzenwuchs mehr.
 
Das Spezialgebiet von Frau Prof. Boetius ist der Meeresboden in 3 – 4 km, hier fressen
die vorhandenen Tiere Meeresschlamm von herabsinkenden Teilen, dieser Schlamm ist
voll von Bakterien.
Die Tiefsee stellt 90% aller Arten auf der Erde, es sind noch ca 1 Mio Arten zu entdecken.
Ein Gramm Ozeansediment enthält 1 Million Zellen und ca 2000 neue Arten von Kleinst-
lebewesen, die wir noch nicht kennen. Diese lassen sich nicht in Aquarien verbringen und
sind daher schwer zu erforschen.
 
Bakterien können Öl abbauen, dies hat man im Golf von Mexiko nach der Ölkatastrophe
in 3000 m Wassertiefe erforscht, sie können aber kein Plastik zersetzen. Jährlich werden
ca 348 Mio t Kunststoff produziert, wovon ca 8 Mio t als Müll in die Meere geleitet wird.
95% des Plastiks, das in die Weltmeere kommt, stammt aus 10 Flüssen, davon befinden
sich 8 in Asien. China, Indonesien, die Philippinen, Thailand und Vietnam sind die größten
Verschmutzer.
 
Deutschland ist zwar Weltmeister im Sammeln und Trennen von Müll, aber was nützt
das alles, wenn unsere „Gelben Säcke“ auf Frachtschiffen verschwinden, die mit Schweröl
angetrieben Reisen nach Asien unternehmen und dabei jede Menge CO2 ausstoßen, im
weiteren Verlauf die Abfälle schließlich in den Flüssen landen. Das gibt doch schon zu denken.
 
Es wurde eine neue Messmethode entwickelt zum Erkunden von Mikroplastik aus allen
Bereichen. Der Feinstaub fliegt durch die Luft, wird abgeregnet oder kommt als Schnee
zurück. Mittlerweile ist eine dünne Plastikschicht auf allen Meeresböden und Erdflächen.
Viele Meeresbewohner filtern das Meerwasser,  nehmen Plastik in sich auf und speichern
es in ihrem Fleisch.
 
Erforscht wird weiterhin die Fischerei, Öl- und Gasvorkommen, Erze, Mineralien und
Naturstoffe. Das nächste größere Experiment: Die „Polarstern“ wird ein Jahr im Eis eingefroren, der Beginn ist im September, in der Zeit von Oktober bis April herrschen dort -40 °, es gibt
kein Licht. Daran teilnehmen werden 17 Nationen mit 600 Menschen.