Hüft- und Knieprothesen

Von: Klaus Gnerlich

Vortrag von Prof. Dr. Haasper am 20.03.2018 bei der Seniorenunion

Prof. Haasper hat an der MH in Hannover studiert und arbeitete später in der Endoklinik in Hamburg - Europas größter Spezialklinik für Endoprothetik, gegründet im Jahr 1976. Bereits in 1969 fanden aber schon in Debstedt erste Operationen mit Hüftprothesen statt, inzwischen hat sich die Klinik zu einem Maxizentrum mit der höchsten Versorgungsstufe entwickelt, ca 1000 Patienten erhalten dort jährlich eine Prothese, dadurch hat man sehr große Erfahrung mit diesen Operationen. Damit ein Krankenhaus für derartige Eingriffe gut gerüstet ist, sollten mindestens 200 Opertionen im Jahr durchgeführt werden, in Debstedt macht jeder Arzt bereits mehr als diese Vorgabe.

Für den Körper ist es wichtig, die Ruhestellung nach einer OP möglichst niedrig zu halten, d.h. so schnell wie es die individuelle Konstitution erlaubt, mit Bewegung zu beginnen und die Wiederherstellung der Lebensqualität zu sichern.

Im Laufe der Zeit sind viele Prothesen entwickelt worden, Materialien und Beschichtungen der Oberflächen wurden verbessert, ebenfalls die Methoden. Es wird einzementiert oder ohne Zement gearbeitet, wobei der "Zement" ein Kunststoff ist, der zur Verankerung im Knochen verwendet wird. Es hat sich aber auch gezeigt, dass eine Beschichtung des Teils der Prothese, die im Knochen eingesetzt wird, ein gutes Anwachsen fördert. Es gibt bei beiden Methoden Vor- und Nachteile, der zementfreie Einsatz ist länger haltbar, da der Knochen an die Beschichtung anwächst. Beim Einzementieren hat man längere Erfahrung, oft halten die Prothesen 30 - 40 Jahre, sie können sich allerdings durch Fremdkörper lockern, sind aber sofort nach der OP belastbar. Bei Hüftoperationen wählt man daher oft eine Kombination, der Schaft wird einzementiert, die Pfanne ist zementfrei.

In Deutschland werden ca 400.000 Kunstgelenke im Jahr eingesetzt, davon sind nach 10 Jahren noch 90% in Ordnung. Es ist aber auch zu beachten, dass der Einsatz einer Endoprothese der Beginn einer lebenslangen Krankheit bedeutet. Die Teile müssen regelmäßig kontrolliert und Plastik, z.B. im Knie alle 15 - 20 Jahre gewechselt werden.

Natürlich können, wie bei jeder Operation, auch Nebenwirkungen auftreten, bis zu 1 cm kann sich ein Bein von dem anderen unterscheiden, wobei Schmerzen allerdings oft von dem nicht operierten Bein hervorgerufen werden, da dies in vielen Fällen ebenfalls geschädigt ist. Auch können Infekte auftreten, deutschlandweit sind dies 0,5 - 0,7%, in Debstedt 0,3%. Die Wunden sollen innerhalb von 5 Tagen trocken sein, daher verwendet man spezielle Verbände, die nicht mehr täglich gewechselt werden müssen. Erst dann wird der Patient zur Weiterbehandlung entlassen.