Fischereiökologie

Vortrag von Prof. Dr. Reinhold Hanel vom Thünen-Institut am 6.6.2019

Nach Fertigstellung des Neubaus des Thünen-Institutes im Fischereihafen ist Prof. Hanelseit einem Jahr von Hamburg nach Bremerhaven gewechselt. Namensgeber des Einrichtungist Joh. Heinrich von Thünen (1783 – 1850) , er war ein Agrar- und  Wirtschafts-wissenschaftler. Die Arbeit des Institutes erstreckt sich auf die Felder Landwirtschaft und Ernährung, dieNutzung natürlicher Ressourcen, der Fischerei und Forstwirtschaft, unterstellt ist esdem Bundesforschungsministerium in Brauschweig und beschäftigt 1200 Mitarbeiter, davon 200 für die Fischerei. Man arbeitet wissenschaftlich unabhängig und betreibtVorlaufforschung, d.h. es werden Themen, die in den nächsten Jahren wichtig für die Fischereiökologie sind, erforscht, z.Z. beschäftigt man sich in der Hauptsache mit derNordsee.Die Fischereiökologie umfasst drei Arbeitsbereiche, die Meeresumwelt, die Gesundheitvon Fischen und den Strahlenschutz. Die Fische in der Nord- und Ostsee werden ständigauf den Gesundheitszustand untersucht, auf Krankheiten und Strahlung. Ein ständigesThema ist die im Krieg versenkte Munition, seit 6 Jahren wird überprüft, ob Munitioneine Gefährdung für Fische und Menschen darstellt, die Munition enthält Phosphor, Senfgas und TNT. Genau so wichtig ist die Belastung durch Mikroplastik im Meer, wie gefährlich ist daswirklich? In der Presse wird viel darüber geschrieben, man forscht jetzt, ob dies allesso stimmt und wie hoch die Belastung ist.In der Aquakultur werden Fische in natürlicher Umgebung gezüchtet, hier wird eineErnährung durch Pflanzenerzeugnisse vorgezogen, diese ist besser als tierische Nahrung.Tiere, denen es gut geht, haben besseres Fleisch, dies steht ständig unter Beobachtung,damit Defekte sofort erkannt werden. Eine genetische Datenbank wird aufgebaut, damit kann der Nachweis der Richtigkeitvon Bezeichnungen der Herkunft nachgewiesen werden. Im Auftrag des ZDF und des WDRwurden Tests in Restaurants bezüglich der Bezeichnung „Seezunge“ gemacht, bei 60 %der auf den Speisekarten erwähnten Fische war die Deklaration falsch!Bei dem Aal, der hauptsächlich als Räucherfisch angeboten wird, ist es noch nichtgelungen, eine Nachzucht in Aquakulturen zu realisieren. Der Aal laicht in der Saragossasee,diese liegt zwischen Florida und den Bahamas. Mit dem Golfstrom kommen die Larven dannnach einer Wanderung von 1-3 Jahren als Glasaal an den europäischen Küste an, in denFlüssen hält sich der Aal 14 – 15 Jahre auf um dann wieder zum Laichen und Sterben in dieSaragossasee zu schwimmen. Wo der genaue Laichplatz ist, ist unbekannt.Der Bestand ist massiv eingebrochen, 2017 waren es nur noch 10 % der Fänge von 1970,es kommen 95% weniger Aale als 1960 hier an, daher stehen sie auch auf der Listevon bedrohten Arten. Ursachen sind  die massive Fischerei, die Glasaalfischer vor derfranzösischen Küste, die Gelbaalfischerei in Deutschland. Die Flussläufe werden mit Wasserwerken durchsetzt (Turbinen), daher 40% Sterblichkeit, weiterhin wurden Parasitenaus Asien eingeschleppt. Der hohe Fettgehalt des Aals bewirkt eine große Schadstoff-aufnahme wie Dioxine und PCB. Rheinaale sollten daher nicht gegessen werden.Es wurden Maßnahmen gegen den Rückgang ergriffen, so gibt es ein Exportverbotaußerhalb der EU und einen eingeschränkten Handel. Aalbewirschaftungsplänge liegenfür alle Gewässer vor, so dass 40% der Blankaale diese wieder verlassen können.Die Entwicklung des Aals ist interessant, von der Weidenblattlarve entwickelt er sichim Salzwasser zum Glasaal, dann im Süßwasser zum Gelbaal und zieht dann zurück indie Sargassosee als Blank- oder Silberaal zum Laichen.</pre></pre>